Ein Fan kommt selten allein
Familie Sikora sucht jedes Jahr neue Abenteuer in der Stadtnatur
In Kaulsdorf gibt es langjährige Fans des Langen Tags der StadtNatur in zwei Generationen. Was mit einer Bootsfahrt auf der Spree mit dem Wildtierexperten Derk Ehlert begann, hat sich zur festen Größe im Terminkalender von Familie Sikora entwickelt. Schon immer dabei sind Sabine und Ulrich Sikora mit Enkelin Klara, weitere Enkelkinder kamen im Laufe der Jahre dazu. Wir treffen Klara mit ihren Großeltern zu einem Gespräch im Schlosspark Biesdorf. Krokusse und Winterlinge blühen, die Sonne scheint – und bei allen steigt die Vorfreude auf das Abenteuer Stadtnatur Ende Mai.

Erinnern Sie Sich noch an Ihren ersten Langen Tag der StadtNatur?
Sabine Sikora: Beim ersten Mal haben wir diese Bootsfahrt mit Derk Ehlert gemacht. Da hatte er einen lebenden Waschbären mit an Bord! Den hat er aus der Tasche rausgeholt, erinnerst du dich? (zu Klara).
Klara: Nein, ich kann mich nicht mehr erinnern, erst an die Bibertour dann später.
Sabine Sikora: Auf den Langen Tag aufmerksam geworden bin ich durch diese Programmhefte, die an den Supermärkten an der Kasse auslagen. Da habe ich eins mitgenommen und zu Hause gesagt: Guckt mal, das können wir ja mal machen. Leider gibt es diese schönen Hefte nicht mehr. Ich habe sie lange aufgehoben als Inspiration für Ausflugsziele am Wochenende.
Ulrich Sikora: Danach haben wir die Werbung zum Langen Tag der StadtNatur auch in unserer Zahnarztpraxis ausgelegt und unseren Nachbarn in den Briefkasten gesteckt.
Welche Veranstaltungen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Ulrich Sikora: Wir waren zu einer Schäferführung am Krankenhaus Herzberge in Lichtenberg. Da hat der Schäfer Klaras kleinen Bruder mit so einem Hirtenstab eingefangen.
Klara: Ja, an den Schäfer erinnere ich mich auch. Und dann an die Führung zum Biber an der Wuhle, wo ich die Fraßspuren von den Bibern an den Bäumen angeschaut habe. Und die Schifffahrt letztes Jahr auf der Spree war schön.
Wie wählen Sie die Veranstaltungen aus?
Ulrich Sikora: Wir beraten gemeinsam über das Programm und wählen dann aus.
Sabine Sikora: Die Spreefahrt mit Derk Ehlert ist natürlich gesetzt. Und dann sind wir mit den Kindern eher zu Veranstaltungen gegangen, die hier in der Nähe waren: Lichtenberg, Kaulsdorf, Rummelsburger Bucht. Damit die Kinder nicht so schnell quengelig werden bei langer Anreise. Und weil es schön ist, die eigene Umgebung zu entdecken. Das ist auch wichtig, dass es in jeder Nähe Veranstaltungen für Familien mit Kindern gibt. Ich muss sagen, da gibt es in anderen Teilen der Stadt mehr als bei uns.
Was haben Sie Neues über Ihre Umgebung erfahren?
Ulrich Sikora: Wir waren zu einer interessanten Führung an der Rummelsburger Bucht. Da waren wir vor allem erstaunt, wie viele Freiwillige es gibt, die da stundenlang aufräumen und die Flächen pflegen. Das ist schon sehr beeindruckend, das weiß man so gar nicht.
Sabine Sikora: Als wir eine Führung auf dem Berliner Balkon hier bei uns [LSG Barnimhang] gemacht haben, war es sehr interessant zu erfahren, wie die Bewirtschaftung der Felder stattfindet. Dass auf der Wiese, wo immer die Graugänse sind, Streifen freigelassen werden für Blumen, damit die Wildbienen gefördert werden.
Klara: Ich finde es immer spannend, in der Nähe Dinge zu sehen, die man eher nicht erwartet. Zum Beispiel spannende Insekten, Spinnen oder Käfer. Mich interessiert auch, was unter der Erde ist.
Erholung in der Natur
Sind Sie auch sonst in die Natur unterwegs?
Sabine Sikora: Wir sind oft mit Freunden in der Natur in und um Berlin unterwegs, das finden wir besser als drinnen zu hocken. Straußberg, Neuenhagen, Pankow – mal schlagen wir was vor, mal die anderen. Wenn wir mal wenig Zeit haben, gehen wir auch nur um die Kaulsdorfer Seen herum. Wir gehen auch gerne in die Pilze.
Ulrich Sikora: Auch im Urlaub suchen wir uns jetzt vorwiegend Orte aus, wo wir in der Natur sein können.
Haben sie grüne Lieblingsorte in Berlin?
Klara: Ich finde den Schlosspark Biesdorf sehr schön, meine Schule ist gleich in der Nähe. Und natürlich mag ich die Kaulsdorfer Seen, die sind so nah und so vielseitig. Im Winter kann man Schlittschuhlaufen, im Sommer baden gehen. Ich kann joggen, spazieren gehen und auf vielen Wegen mit dem Rad durch das Gebiet durchfahren, um nicht an der Straße fahren zu müssen. Ich kann bis zum Müggelsee nur durchs Grüne fahren.
Sabine Sikora: Ich finde das Wuhletal sehr schön. Und ich mag, dass es hier in Kaulsdorf von der Fläche her großzügiger bebaut ist als in anderen Teilen Berlins, zum Beispiel am Grunewald.


Begegnen Ihnen im Alltag wilde Tiere?
Klara: Ich habe schon einmal einen Fuchs im eigenen Garten gesehen. Bei der Geburtstagsparty von meinem kleinen Bruder, während alle im Garten spielten, kam plötzlich ein Fuchs und ist einmal durch den Garten gelaufen. Der hat sich gar nicht an den Kindern gestört!
Ulrich Sikora: Wir hatten einmal eine Wildtierkamera der Stiftung Naturschutz ausgeliehen. Das war interessant zu sehen, dass Fuchs, Waschbär, Marder und noch andere Wildtiere in unserem Garten herumlaufen.
Haben Sie ein wildes Tier, das sie besonders mögen?
Klara: Ich finde die richtig pechschwarzen Raben toll. Leider gibt es die ja nicht so oft in Berlin, eher in Brandenburg. Und ich finde Wölfe spannend! Es wäre doch schön, wenn die auch in solchen Parks wie hier am Schloss Biesdorf wären. [Erschreckte Blicke der Großeltern!]
Sabine Sikora [vielleicht eher fasziniert von dem Tier]: Waschbären tauchen bei uns immer häufiger im Garten auf. Unser Sohn hat ein Katzenhaus im Garten, aus dem wollte er einmal morgens seine Katze Lumpi rausholen – und hatte einen Waschbären in der Hand! Lumpi und Waschbär scheinen öfter miteinander zu kämpfen, die Tierarztbesuche werden häufiger. Neulich hat mir mein Sohn ein Foto gezeigt, da saßen Lumpi und der Waschbär sich Nase an Nase gegenüber und haben sich in die Augen geguckt. Nur durch eine Fensterscheibe getrennt!
Ist Stadtnatur ein Thema, das Ihnen im Alltag begegnet?
Klara: Im Schulunterricht ist Stadtnatur und der Lange Tag kein Thema. Wir haben jetzt gerade Zellbiologie. In der Grundschule gab es mal einen Wandertag an die Wuhle, aber eigentlich hat man in der Schule nicht so eine Verbindung zur Natur. So wirklich beschäftigen sich meine Freunde auch nicht damit. Aber natürlich freut sich jeder, wenn er mal eine Gruppe Rehe oder Eichhörnchen sieht.
Sabine Sikora: Eins unserer Enkelkinder muss auf dem Schulweg durch den Kaulsdorfer Busch, das ist so eine Kleingartenanlage. Da gibt es auch aufgewühlte Stellen von Wildschweinen und im abgezäunten Bereich Rehe. In der Schule wird darüber informiert, dass man mit Wildschweinen vorsichtig sein muss, wenn sie Frischlinge haben. Der Schulweg ist jetzt etwas aufregend geworden.
Wunschliste für weitere Lange Tage der StadtNatur
Was würden Sie gerne noch über StadtNatur erfahren, was wollen Sie noch erleben?
Klara: Ich fände einen Naturmalkurs super, da würde ich sofort mitmachen. Ich male sehr gern und möchte da noch viel lernen, zum Beispiel Tierproportionen richtig zeichnen.
Sabine Sikora: Das könnte man doch auch hier im Park machen und danach die Bilder im Schloss ausstellen!
Ulrich Sikora: Hier in Kaulsdorf gibt es einen Stadtjäger, den kenne ich auch. Es wäre doch interessant, eine Wanderung mit ihm zu machen, um etwas über seine Arbeit zu erfahren.
Klara: Ja, oder etwas zur Wassernatur mit einem Angler? Da sitzen immer Angler am Kaulsdorfer See oder Müggelsee und es gab auch schon mal ein Schild, das dort ein riesiger Hecht geangelt wurde. Ist das wirklich so? Welche Fische gibt es überhaupt in den Seen?
Sabine Sikora (nachdem sie den diesjährigen Flyer gesehen hat): Da könnte man doch eine tolle Ausstellung mit den Bildern von dem Fotografen machen!
Klara: Generell finde ich spannend, wo sich die [großen] Tiere tagsüber aufhalten, weil man sie nicht sieht: Waschbären, Wildschweine, die ganzen Füchse. Eine Nachtwanderung fände ich auch super.
Veranstaltung am Langen Tag der StadtNatur
Das von der Stiftung Naturschutz Berlin organisierte Naturfestival lockt mit über 500 Veranstaltungen in 28 Stunden jedes Jahr tausende Besucher*innen zu Berlins schönsten Naturschauplätzen an über 150 Orten.
WANN?
Der Lange Tag der StadtNatur 2026 beginnt am Samstag, den 30. Mai, um 13 Uhr und endet am Sonntag, den 31. Mai, um 17 Uhr.
Die Veranstaltungen werden ab 27. April 2026 online veröffentlicht.
Der Online-Ticketverkauf startet am Montag den 4. Mai 2025.
MEHR INFOS:
https://www.langertagderstadtnatur.de/
Interview: J. Schaaff



